Intressantes aus der Weh Weh Weh Welt

Das nervt!

Mit der Newsmeldung vom 15.11.2005 will der Verband der Schweizer Musikwirtschaft (IFPI) den Konsumenten Angst machen.

Als ich 1988 meine Junggesellenbude bezog war meine Ausstattung an Unterhaltungsmedien, aus heutiger sicht Bescheiden, damals aber Standard. Ein kleiner Fernseher ohne Kabelanschluss und meine geliebte Stereoanlage. Verstärker, Tuner, Tapedeck und Plattenspieler. Die Ausgaben fürs Vergnügen flossen in Kinobesuche, Konzerte und in meine LP Sammlung.
Schon damals war es eigentlich so, dass uns die Musikindustrie mit den Preisen für CDs betrog. CDs waren in der Produktion eindeutig billiger als LPs, wurden aber viel teurer als die schwarzen Scheiben verkauft. Mit dem Kauf eines CD-Players habe ich deswegen lange gewartet. Es gab noch genug Plattenläden die LPs verkauften und schliesslich kostete eine LP Fr. 18.- und die CDs damals meist um die Fr 28.-
Irgendwann so um 1990 kaufte ich mir dann doch einen CD Player und legte mir ab nun eine kleine CD Sammlung an. Das war aber zu diesem Zeitpunkt immer noch der einzige Luxus aus der Unterhaltungsindustrie den ich mir zuhause leistete. Blieb also noch genug Geld für Musik CDs.

Doch dann kam der PC. Mein erster PC kostete Fr 3400.- (Wahnsinn!) und mein erstes CD-Romlaufwerk (etwa ein zwei Jahr später?) Fr. 700.-. Klar kaufte ich mir damals ein paar Musik CDs weniger. Denn ich brauchte mein Geld für Hardware, Software, Druckerpapier und Disketten. Genaugenommen ging der Kauf von CDs von 1 bis 2 im Monat auf ca. 2 oder 3 Scheiben im Jahr zurück!
Dann kam noch das Internet hinzu. Fr.12.50 in Monat plus die Kosten für die Verbindung. Als ich mit Chatten anfing, kletterte die Telefonrechnung drastisch nach oben. Ich gab das Chatten bald wieder auf. Aber das Internet war weiterhin ne teure Sache. Zum Glück folgte bald ADSL für Fr. 55.- (damals) im Monat aber eben als Flaterate.

Dann kam das Handy (1999) dazu, mit Monatsabo und (noch heute) saumässig teuren Gesprächsgebühren.
Was ich aber nie besass und auch heute nicht hab, sind: Gameboy, Playstation und Co., die ja auch nicht gerade billig sind. Gamen nur am PC, aber ein Vermögen gebe ich dafür nicht aus.
Meine Konzertbesuche wurden auch seltener, weil ich mehr Geld für andere Sachen brauchte und weil die Konzerte meines ehrachtens kriminell teuer wurden. 1985 sah und hörte ich U2 im Hallenstadion Zürich für Fr. 25.- Dieses Jahr hätte ich über Fr. 100.- für das Konzert bezahlen müssen! Gott hätte ich die gerne wieder mal gesehen, aber diese Preise sind reine abzocke!
Meine Ausgaben für Musik CDs sanken enorm. Nicht etwa weil ich jetzt alles Illegal runterladen würde, nein, weil X Ausgaben neu hinzugekommen sind!

2000 kam Napster. Bis zum Jahr 2000 gab es kaum Möglichkeit Musik auf einfachen Weg zu bekommen. Natürlich nicht legal, weil ja die Musikindustrie alles verschlafen hat. Sie ist an ihren Verlusten zum grossen Teil selber Schuld.

  • Schuld ist die eigene Unfähigkeit zu erkennen wie sich das (Konsum-)Leben gewandelt hat. Schuld ist die Unfähigkeit auf diesen Wandel zu reagieren und der Unfähigkeit neue Ideen auszuarbeiten.
  • Schuld ist die Einstellung nach aussenstehenden, anderen Schuldigen zu suchen wie es jetzt der Verband der Schweizer Musikwirtschaft (IFPI) bei ihrer Medienorientierung am 15.11.2005 machte.
  • Schuldig ist der grenzenlose Geiz der Musikindustrie.
  • Schuld ist die Unterhaltungsindustrie die Ihre zahlenden Konsumenten noch bestraft wenn man eine CD kauft. Die CDs verkauft die wegen Kopierschutz nicht überall funktionieren und DVDs mit Vorfilmen und Menüs versieht die sich nicht überspringen lassen, also dem Zahlenden aufgezwungen werden.
  • Kein Mensch der über KaaZa und Co. Musik runter ladet, verursacht einen Schaden von Fr. 3000.- bis 10’000.- Der Verband der Schweizer Musikwirtschaft (IFPI) will aber angeblich solche Schadenersatzforderungen stellen.

    Stellt euch vor:
    Da soll es Leute geben die 120 Giga (!) an mp3 haben sollen. Gut möglich. Aber hätten die diese mp3 nicht, würden sie all die Musik auf CD kaufen? Nein sicher nicht!

    Mit der Newsmeldung vom 15.11.2005 will uns der Verband der Schweizer Musikwirtschaft (IFPI)
    a) in erster Linie allen Angst machen
    b) uns alle Konsumenten als dumm verkaufen und
    c) uns weiterhin abzocken.

    Warum bringen sie nicht echte Alternativen? Warum muss ich für eine legal heruntergeladene CD noch ganze Fr. 15.- zahlen?

    Liebe Musikindustrie, liebe Filmindustrie, ihr habt verschlafen. Ihr habt die Entwicklung verpasst und werdet das Rad der Zeit auch nicht zurückdrehen können!

    3 Kommentare

    1. Lämmergeier

      Die Musikindustrie hat deiner Meinung nach verschlafen, weil sie die Preise nicht auf ein dir genehmes Niveau senkt- da machst du dirs einfach recht leicht. Der Markt funktioniert nun einmal nicht so dass ich mir als Käufer den Preis aussuche, sondern der Verkäufer ihn festlegt.

      Und wenn Du auf illegale Wege umsteigst (als Uplader tust du das sicher, als Downloader vielleicht), dann wird der Rechtsstaat die Musikindustrie dabei unterstützen müssen ihre Rechte zu sichern, solange er ein Gewaltmonopol beansprucht.

    2. Raffaele

      Ich mache es mir nicht leicht und warum der Preis tiefer sein sollte, habe ich auch klar und logisch erklärt. Es geht nicht darum, wie du abschätzig formulierst, dass es mir billiger genehm wäre. CDs sind von Anfang an überteuert auf den Markt gekommen.
      Der Markt funktioniert über lang oder kurz sehr wohl so, dass der Käufer den Preis mitbestimmt. Schau dir den Preiskampf in der Schweiz bei den Lebensmittel an. Kaum wurde bekannt das ALDI und Lidl kommt, sinken die Preise. Die Migros baut sein Budgetsortiment aus und sogar die teure Coop musste mit Billigangebot nachziehen. Weil wir Konsumenten sehr wohl Einfluss nehmen können. Weil vorher alles überteuert verkauft wurde. Die Detailhändler haben dennoch frühzeitig reagiert, statt es wie die Musikindustrie zu verschlafen.
      Der illegale weg ist ja gar nicht so illegal, zu mindest in der Schweiz (siehe Artikel „Saug baby saug!“). Ich gebe auch zu das ich kein Uploader bin, das bremst mein PC zu sehr aus. Zudem kaufe ich durchaus auch CDs online, bei http://www.allofmp3.com legal und für nu ca. 2$ pro CD! Aber dass will man den Konsumenten auch verbieten.
      Also meine lieber Fuchs Edgar, sei schlau und stopf dein Geld nicht denjenigen in den Rachen die schon genug davon haben.

    3. Käptn

      Na, ja, so einfach ist das auch nicht. Schau dir die Buchpreisbindung im deutschsprachigen Verlagswesen an. Da haben sich alle bisher die Zähne dran ausgebissen.
      Und dass die Industrie mit der CD eine goldene Nase verdient, ist ja auch nicht richtig. Stimmt schon, die Herstellung ist im Presswerk einfacher, aber das ist ja auch nur ein kleiner Teil der Gesamtausgaben.
      Die Künstler werden heutzutage auch viel mehr beworben, das ist auch ihr gutes Recht, wenn ich eine Platte auf den Markt bringe, dann möchte ich auch, dass die stark beworben wird.
      Und dass ich für *mein* Produkt immer noch den Preis nenne, ist auch noch Tatsache. Wenn dir der Preis nicht gefällt, dann kaufe halt nicht.

      Wenn dir U2 zu teuer ist, kauf sie halt nicht, gehe nicht auf’s Konzert. *Das* ist deine Macht als Konsument. Wenn alle so denken, werden auch U2 sehen, dass es nicht geht. Solange die Konzerthallen und Stadien voll sind, weil alle aberwitzige Summen zahlen, wird das eher nicht gehen.

      Verzicht ist deine einzige Chance, nicht „besorgen“ auf halbillegale Weise. Damit machst du dich halt strafbar. Wenn du die Konsequenzen zu tragen bereit bist, bitte. Aber nicht nachher jammern, dass die Geld von dir wollen.

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